
Markenidentität und Markenimage: Welche Assoziationen stimmen nicht überein?
Ein Unternehmen kann jahrelang kommunizieren, seine Marke sei innovativ, persönlich und zuverlässig. Die Geschäftsführung erkennt diese Begriffe wieder. Das Marketingteam auch. Doch welche Wörter nennen Kunden, wenn sie die Marke ohne vorgegebene Antwortmöglichkeiten beschreiben sollen? Vielleicht 'solide', 'distanziert' und 'kompliziert'. Dann reicht eine weitere Kampagne als Antwort möglicherweise nicht aus. Denn es besteht eine Lücke zwischen der Bedeutung, die das Unternehmen aufbauen möchte, und der Bedeutung, die Menschen tatsächlich mit der Marke verbinden. Markenidentität beschreibt die beabsichtigte Markenbedeutung; Markenimage umfasst die Assoziationen und Bewertungen einer definierten Zielgruppe. Assoziationsforschung hilft, diese Distanz nachvollziehbar zu untersuchen: Welche Vorstellungen werden aktiviert, was bedeuten sie für die Befragten, wie werden sie bewertet und welche Rolle spielen sie bei einer konkreten Wahl? [S01] [S02]
Die Positionierung steht im Strategiepapier. Das Image entsteht im Gedächtnis.
Stellen wir uns eine Marke vor, die Einfachheit verspricht. Auf der Website steht 'ohne Umwege'. Im Vertrieb wird eine schnelle Zusammenarbeit betont. Die Mitarbeitenden kennen die Werte. Trotzdem empfinden potenzielle Kunden die Dienstleistung als schwer verständlich. Wer hat recht?
Die Gegenüberstellung führt in die Irre. Das interne Markenbild formuliert ein strategisches Ziel. Menschen außerhalb des Unternehmens deuten, was sie sehen, erleben, hören und behalten. Beide Sichtweisen können aufrichtig sein und dennoch voneinander abweichen. Eine sorgfältig formulierte Identität wird nicht automatisch zu einem geteilten Markenimage. [S02] [S03]
Deshalb endet Markenforschung nicht bei der Bekanntheit. Entscheidend ist vielmehr, welche Bedeutung in einem relevanten Entscheidungsmoment verfügbar wird. Bestandskunden erinnern sich vielleicht an eine Supporterfahrung. Interessenten an eine Empfehlung. Ehemalige Kunden an ein Problem, das nie gelöst wurde. Derselbe Markenname kann je nach Erfahrung und Kontext unterschiedliche Assoziationswege aktivieren.
Markenidentität, Markenimage und Reputation sind nicht dasselbe.
Die Markenidentität beschreibt, wofür das Unternehmen stehen und welche Leistungen es wiedererkennbar erbringen möchte. Dazu gehören Werte, Positionierung, Persönlichkeit, Verhalten und Belege. Das Markenimage betrifft die Assoziationen und Bewertungen bei einem bestimmten Publikum. Reputation ist damit verwandt, bezieht sich aber häufig auf ein über längere Zeit entstandenes Gesamturteil über die Organisation. Die Perspektiven hängen zusammen, sind jedoch nicht austauschbar. [S01] [S02]
Problematisch wird es, wenn ein gewünschtes Selbstbild als externe Tatsache ausgegeben wird. 'Wir sind für persönliche Betreuung bekannt' ist eine empirische Aussage. Sie muss bei Menschen überprüft werden, die diese Betreuung beurteilen können. Ein Satz im Markenhandbuch ist noch kein Beleg für eine Kundenwahrnehmung.
Markenidentität
- Leitfrage
- Wofür möchten wir stehen?
- Typische Grundlage
- Strategie, Führung, Mitarbeitende, Leistungsversprechen
- Forschungsaufgabe
- Beabsichtigte Bedeutung und Belege definieren
Markenimage
- Leitfrage
- Womit verbindet diese Zielgruppe die Marke?
- Typische Grundlage
- Spontane und gestützte Assoziationen, Erfahrungen, Bewertungen
- Forschungsaufgabe
- Verfügbare Bedeutungen, Valenz und Kontext erfassen
Reputation
- Leitfrage
- Wie wird die Organisation langfristig beurteilt?
- Typische Grundlage
- Erfahrungen und Urteile unterschiedlicher Anspruchsgruppen
- Forschungsaufgabe
- Breiteres Urteil und dessen Beständigkeit prüfen
Sechs unterschiedliche Arten von Assoziationslücken.
Eine Abweichung ist nicht immer ein negatives Urteil. Manchmal wird die gewünschte Bedeutung nicht genannt. Manchmal benutzen Menschen denselben Begriff, meinen aber etwas anderes. Manchmal glaubt die Zielgruppe das Versprechen, schreibt es jedoch auch allen Wettbewerbern zu. Werden diese Fälle zu einem einzigen 'Imageproblem' zusammengefasst, entstehen leicht falsche Maßnahmen.
Diese Einteilung ist ein praktisches Diagnosemodell, keine eigenständig validierte wissenschaftliche Taxonomie. Die Bedeutung einer Antwort hängt von Aufgabe, Person und Situation ab. In der Auswertung müssen spontane Nennungen, gestützte Urteile und Interpretationen des Forschungsteams getrennt bleiben. [S01] [S04]
Fehlende Assoziation
- Beabsichtigte Bedeutung
- Innovativ
- Mögliche Reaktion
- Die Marke wird bei Innovation nicht spontan genannt
- Erste Diagnosefrage
- Ist die Bedeutung ausreichend verfügbar?
Gegensätzliche Assoziation
- Beabsichtigte Bedeutung
- Einfach
- Mögliche Reaktion
- Kompliziert
- Erste Diagnosefrage
- Ist Produkt oder Kundenerlebnis tatsächlich komplex?
Andere Interpretation
- Beabsichtigte Bedeutung
- Persönlich
- Mögliche Reaktion
- Aufdringlich
- Erste Diagnosefrage
- Was bedeutet persönlich für diese Zielgruppe?
Glaubwürdigkeitslücke
- Beabsichtigte Bedeutung
- Nachhaltig
- Mögliche Reaktion
- Große Worte, wenige Belege
- Erste Diagnosefrage
- Welcher Nachweis fehlt oder wird widerlegt?
Fehlende Differenzierung
- Beabsichtigte Bedeutung
- Zuverlässig
- Mögliche Reaktion
- Das trifft auf alle etablierten Anbieter zu
- Erste Diagnosefrage
- Erwarteter Standard oder echter Wahlvorteil?
Kontext- oder Segmentlücke
- Beabsichtigte Bedeutung
- Freiheit
- Mögliche Reaktion
- Autonomie für die einen, Unsicherheit für andere
- Erste Diagnosefrage
- Für wen und wann entsteht welche Bedeutung?
Ein Assoziationsnetz zeigt mehr als eine Liste von Markenwerten.
Zwei Zielgruppen verbinden dieselbe Marke mit Qualität. In einer einfachen Befragung sieht das nach Übereinstimmung aus. Für die erste Gruppe bedeutet Qualität jedoch Langlebigkeit und geringer Wartungsaufwand. Die zweite meint handwerkliche Perfektion und besonderes Design. Das Wort ist identisch, die Bedeutung dahinter nicht.
Keller beschreibt das Markenimage im Rahmen der kundenseitigen Markenstärke über Assoziationen im Gedächtnis und unterscheidet deren Stärke, Vorteilhaftigkeit und Einzigartigkeit. Krishnan untersuchte empirisch unter anderem Umfang, Valenz und Einzigartigkeit solcher Assoziationen. John und Kollegen entwickelten eine Methode, mit der sich individuelle Markenassoziationsnetze erheben und zu einer zusammengefassten Markenkarte verdichten lassen. Diese Arbeiten verdeutlichen, warum Beziehungen zwischen Bedeutungen zusätzliche Informationen gegenüber einer einzelnen Zufriedenheitszahl liefern können. [S01] [S04] [S05]
Ein Netzwerkbild ist keine Abbildung neuronaler Verbindungen. Eine Linie zwischen zwei Begriffen steht für eine nach definierten Regeln erhobene oder codierte Beziehung. Linienstärke, Farbe oder Lage dürfen nur dann quantitativ interpretiert werden, wenn das Verfahren dies begründet. Eine attraktive Visualisierung ohne nachvollziehbare Datengrundlage ist kein unabhängiger Nachweis.
Zuerst die gewünschte Identität präzise beschreiben.
Markenworkshops produzieren gern Begriffe wie nahbar, menschlich, innovativ und hochwertig. Für einen Vergleich reichen diese Wörter nicht aus. Heißt 'nahbar', dass Preise verständlich sind, der Einstieg einfach ist, ein Mensch erreichbar bleibt oder ein Kauf ohne Termin möglich ist? Das sind verschiedene Erwartungen.
Lassen Sie Geschäftsführung, Marketing und relevante Mitarbeitende zunächst unabhängig voneinander drei bis fünf zentrale Assoziationen notieren. Fragen Sie zu jeder, welches beobachtbare Verhalten, welche Produkteigenschaft und welcher überprüfbare Nachweis sie unterstützen. Erst danach werden die Perspektiven abgeglichen. Wenn das Marketing persönliche Betreuung verspricht, der Prozess aber ausschließlich standardisierte Antworten vorsieht, kann schon intern eine Identitätslücke bestehen. [S02] [S03]
Erstellen Sie anschließend ein kleines Codebuch mit Definitionen, Beispielen und Ausschlüssen. Innovation kann in diesem Geschäftsfeld für neue Funktionen, schnellere Weiterentwicklung oder andere Arbeitsweisen stehen. Halten Sie auch fest, was ausdrücklich nicht gemeint ist. So lässt sich vermeiden, dass die Forschenden spätere Antworten unbewusst an die gewünschte Positionierung anpassen.
Danach die tatsächlichen Außenassoziationen erheben.
Nutzen Sie die gewünschten Markenwerte nicht als einzige Antwortliste. Fragen Sie zunächst offen, was der Markenname auslöst, und bitten Sie um konkrete Situationen. Bewahren Sie den ursprünglichen Wortlaut, bevor Antworten Kategorien zugeordnet werden. 'Teuer' ist nicht zwangsläufig negativ: Vielleicht bedeutet es höchste Qualität, vielleicht ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis. Diese Bedeutung sollte erfragt und nicht unterstellt werden.
Ergänzen Sie bei Bedarf gestützte Assoziationen, die bei der untersuchten Marke und relevanten Alternativen unter vergleichbaren Bedingungen geprüft werden. Unterscheiden Sie spontane Verfügbarkeit, gestützte Wiedererkennung, berichtete Assoziationsstärke und positive oder negative Bewertung. Dokumentieren Sie Formulierungen, Reihenfolge, Aufgabenkontext und Erhebungszeitpunkt. [S04] [S05]
Rekrutieren Sie Menschen, für die die untersuchte Entscheidung realistisch ist. Stammkunden, neue Interessenten, abgewanderte Kunden und Nutzer der gesamten Produktkategorie verfügen über unterschiedliche Erfahrungen. Eine ausschließlich aus loyalen Bestandskunden bestehende Stichprobe repräsentiert nicht automatisch den Markt. Stichprobenauswahl, Unsicherheit und Verwendungszweck der Ergebnisse müssen transparent sein.
Spontane, gestützte und indirekte Messungen beantworten andere Fragen.
Es gibt keine Methode, die ganz automatisch das einzig wahre Markenimage aus dem Kopf eines Menschen ausliest. Jede Aufgabe macht einen anderen Ausschnitt sichtbar. Wählen Sie das Instrument passend zur Entscheidung, nicht wegen seiner technischen Wirkung.
Indirekte Verfahren können Aussagen ergänzen, hängen aber von Aufgabenstellung und Kontext ab. Fazio und Olson behandeln genau diese Interpretationsgrenzen. Auch EEG oder Eye Tracking übersetzen Messsignale nicht automatisch in einen bestimmten Markenwert. [S09]
Freie Assoziationen
- Möglicher Beitrag
- Welche Begriffe ohne Vorgabe zugänglich sind
- Keine automatische Schlussfolgerung
- Nicht genannte Bedeutungen existieren nicht im Gedächtnis
Gestützte Markenattribute
- Möglicher Beitrag
- Wiedererkennung, Bewertung oder berichtete Stärke
- Keine automatische Schlussfolgerung
- Spontane Relevanz oder tatsächliches Kaufverhalten
Assoziationskarten und Vertiefungsfragen
- Möglicher Beitrag
- Zusammenhänge und Bedeutungen hinter Begriffen
- Keine automatische Schlussfolgerung
- Direkte neuronale Verbindungen
Reaktionszeit- oder indirekte Aufgaben
- Möglicher Beitrag
- Aufgabenabhängige, oft relative Verknüpfungsmuster
- Keine automatische Schlussfolgerung
- Geheime Kaufabsicht eines Individuums
Verhaltens- oder Wahltests
- Möglicher Beitrag
- Handlungen in einer bestimmten Entscheidungssituation
- Keine automatische Schlussfolgerung
- Ursächlicher Effekt einer Assoziation ohne passendes Studiendesign
Ohne Wettbewerber bleibt das vermeintliche Alleinstellungsmerkmal unklar.
Viele Unternehmen möchten für Zuverlässigkeit, Qualität und Hilfsbereitschaft bekannt sein. Wenn Menschen dieselben Eigenschaften allen kompetenten Anbietern zuschreiben, handelt es sich möglicherweise um erwartete Mindeststandards und nicht um einen spezifischen Wahlgrund. Keller trennt starke, positive und einzigartige Assoziationen, weil sie unterschiedliche Eigenschaften sind. [S01]
Vergleichen Sie relevante Alternativen mit denselben Fragen und Bedingungen. Welche Marken fallen bei einem konkreten Bedarf ein? Welche Begriffe werden allen Anbietern zugeordnet? Ist eine seltene Assoziation überhaupt erwünscht und in der konkreten Nutzung hilfreich? Auffälligkeit ist nicht automatisch Nutzen.
Manchmal ist der wichtigste Wettbewerber keine andere Marke. Bei einer B2B-Entscheidung lautet die Alternative möglicherweise 'Wir ändern vorerst nichts'. Im Konsummarkt bleibt oft ein vorhandenes, funktionierendes Produkt die Vergleichsoption. Fehlt diese Alternative, kann ein vermeintlicher Wettbewerbsvorteil falsch bewertet werden.
Dasselbe Wort kann anziehen und abschrecken.
'Exklusiv' klingt im Positionierungsworkshop gut. Eine Käuferin verbindet es mit Handwerkskunst und Anerkennung. Ein anderer Käufer denkt an Ausschluss und überhöhte Preise. Wer nur die Häufigkeit des Wortes zählt, erfasst den Unterschied nicht.
Fragen Sie, welche Erfahrungen und Erwartungen hinter der Assoziation stehen. Trennen Sie Zugänglichkeit im Gedächtnis von Bewertung. Der zuerst genannte Begriff ist nicht automatisch der wichtigste Entscheidungsgrund. Positive Assoziationen können zudem neben relevanten Zweifeln bestehen. Ein Markenprofil ist deshalb keine bloße Summe positiver Adjektive. [S05] [S07]
Für die Kommunikation hat das Folgen. 'Persönliche Beratung' kann Sicherheit geben, wenn jemand Unterstützung sucht. Wer dagegen schnell eigenständig bestellen möchte, empfindet dieselbe Botschaft vielleicht als Hindernis. Dann ist möglicherweise eine Wahl zwischen zwei passenden Kundenerlebnissen sinnvoller als eine neue Überschrift.
Zielgruppen und Entscheidungszeitpunkte verändern das Image.
Ein Durchschnittswert eignet sich für eine Managementfolie, kann aber gegensätzliche Muster verbergen. Bestandskunden kennen die reale Leistung. Interessenten kennen häufig vor allem die Botschaften. Ehemalige Kunden erinnern sich vielleicht an eine konkrete Enttäuschung.
Vergleichen Sie Segmente nur mit nachvollziehbarer Begründung und weisen Sie Unsicherheit aus. Kleine explorative Stichproben können deutliche Unterschiede zeigen, die sich in einer weiteren Untersuchung nicht bestätigen. Ein Gruppenmuster ist außerdem keine Diagnose jeder einzelnen Person.
Auch die Situation zählt. In der frühen Orientierung kann 'innovativ' spannende Möglichkeiten bedeuten. Kurz vor dem Vertragsabschluss wirft derselbe Begriff Fragen nach Stabilität, Kompatibilität und Unterstützung auf. Untersuchen Sie Identität und Image deshalb entlang konkreter Entscheidungen: erwägen, auswählen, wechseln, bleiben. [S07] [S08]
Fiktives Beispiel - die Marke verspricht Innovation, Kunden suchen Sicherheit.
Fiktives Beispiel - keine Neurofactor-Kundenstudie und keine erhobenen Daten. Ein erfundener Anbieter von Unternehmenssoftware beschreibt sich als innovativ, persönlich und einfach. Er bietet tatsächlich neue Funktionen und ein engagiertes Team. Einige Interessenten erleben das Angebot trotzdem als 'viele Möglichkeiten, aber kompliziert'. Bestehende Nutzer nennen vor allem Flexibilität und gut erreichbaren Support.
In dieser erfundenen Situation ist Innovation nicht völlig unsichtbar. Vor dem Kauf erhält sie jedoch zusätzlich die Bedeutung 'noch nicht ausreichend erprobt'. Persönliche Hilfe ist für Bestandskunden erlebbar, für Interessenten zunächst unbewiesen. Einfachheit kollidiert mit einem aufwendigen Einstieg. Es liegen also drei unterschiedliche Lücken vor. Eine einheitliche Werbekampagne würde ihnen kaum gerecht.
Erforderlich könnten verständliche Demonstrationen und glaubwürdige Stabilitätsnachweise, sichtbare Beispiele für Support und tatsächlich vereinfachte Onboarding-Schritte sein. Ob diese Maßnahmen funktionieren, muss anhand vorher festgelegter Ziele und möglichst geeigneter Vergleichsbedingungen geprüft werden. Das Beispiel enthält bewusst keine erfundenen Umsatz- oder Hirnmesswerte.
Fünf Muster, fünf unterschiedliche Entscheidungen.
Eine nützliche Gap-Analyse endet nicht mit roten Kreuzen neben Markenwerten. Sie verbindet das beobachtete Muster mit einer überprüfbaren Hypothese und einer passenden Maßnahme.
Diese Erklärungen sind Hypothesen, keine bewiesenen Ursachen. Schwache Conversion kann auch an Preis, Zeitpunkt, Distribution oder einem komplizierten Bestellprozess liegen. Eine Assoziationskarte ersetzt nicht die Analyse der realen Entscheidung. [S07] [S08]
Gewünschte Bedeutung wird selten genannt
- Mögliche Erklärung
- Wenige passende Erinnerungsreize
- Zu prüfender nächster Schritt
- Wiedererkennbare Kontaktmomente verbessern und spontane Nennungen erneut prüfen
Bedeutung wird genannt, aber negativ bewertet
- Mögliche Erklärung
- Reale Erfahrung widerspricht dem Versprechen
- Zu prüfender nächster Schritt
- Ursache untersuchen und Erfahrung verbessern
Bedeutung ist glaubwürdig, aber austauschbar
- Mögliche Erklärung
- Wettbewerber stehen ebenfalls dafür
- Zu prüfender nächster Schritt
- Relevante und belegbare zusätzliche Differenzierung finden
Bedeutung variiert je nach Zielgruppe
- Mögliche Erklärung
- Andere Bedürfnisse oder Erfahrungen
- Zu prüfender nächster Schritt
- Kontextbezogene Belege entwickeln und nach Segment testen
Positive Assoziation, aber keine Wahl
- Mögliche Erklärung
- Marke wird nicht erinnert oder andere Hürden überwiegen
- Zu prüfender nächster Schritt
- Verfügbarkeit, Preis, Aufwand und tatsächliches Verhalten prüfen
Wann sollte die Kommunikation geändert werden und wann das Angebot?
Wird eine versprochene Eigenschaft tatsächlich erfüllt, aber kaum erkannt, liegt eine bessere Kommunikation nahe. Zeigen Sie den Nachweis in einer Situation, die für Kunden relevant ist. Statt Zuverlässigkeit abstrakt zu behaupten, können Sie nachvollziehbar demonstrieren, wie eine konkrete Servicezusage eingehalten wird.
Entsteht die negative Assoziation aus einer tatsächlichen Schwäche, muss zuerst das Produkt oder der Prozess besser werden. 'Bei uns ist alles einfach' zu wiederholen, während Kunden durch unnötige Schritte geführt werden, kann die Lücke sogar vergrößern. Markenführung bedeutet auch, Verhalten, Prozesse und Kultur mit dem Markenversprechen abzustimmen. Genau das betonen de Chernatony und Harris. [S02] [S03]
Eine dritte Option: Die gewünschte Identität ist strategisch nicht passend. Wenn die versprochene Eigenschaft für Kunden unwichtig oder in der Branche selbstverständlich ist, sollte eine andere, relevante und nachweisbare Position geprüft werden. Forschung darf die Markenidentität hinterfragen, statt sie nur zu verteidigen.
Eine Assoziations-Gap-Analyse in sechs Schritten.
Schritt 1 - Entscheidungsfrage definieren. Warum gilt die Marke als kompetent, aber nicht als zugänglich? Zielgruppe und Entscheidungszeitpunkt festlegen.
Schritt 2 - Identität operationalisieren. Beabsichtigte Assoziationen bei internen Beteiligten unabhängig erfassen. Bedeutungen und beobachtbare Belege definieren.
Schritt 3 - Außenperspektive offen untersuchen. Wo möglich zunächst spontane Begriffe erheben. Mit Bedeutungsfragen, fairen gestützten Vergleichen oder einem begründeten zusätzlichen Verfahren vertiefen.
Schritt 4 - Vergleiche methodisch absichern. Gleiche Fragen für Marken und Gruppen verwenden. Stichproben, Unsicherheit, Rohantworten, Codierregeln und Qualitätskontrollen dokumentieren.
Schritt 5 - Alternative Erklärungen prüfen. Tatsächliche Leistung, Kategorieerwartungen, Konkurrenz, Kaufsituation und praktische Hürden einbeziehen. Eine Assoziation allein liefert keine kausale Diagnose.
Schritt 6 - Maßnahmen evaluieren. Vorher definieren, ob spontane Assoziationen, Erwägung, Testanfragen, Käufe, Wiederverwendung oder Serviceprobleme verändert werden sollen. Wo sinnvoll, eine Vergleichsbedingung einsetzen. Nicht nur die Attraktivität der neuen Kampagne beurteilen.
Was darf Assoziationsforschung wissenschaftlich behaupten?
Eine Untersuchung kann zeigen, welche Begriffe unter definierten Bedingungen genannt werden, wie Menschen diese bewerten und wie sich Muster zwischen Gruppen unterscheiden. Sie kann sichtbar machen, an welchen Stellen beabsichtigte interne Bedeutungen nicht mit dem extern erhobenen Bild übereinstimmen. John und Kollegen zeigen, dass sich Markenassoziationsnetze systematisch erheben und zusammenfassen lassen. [S04]
Daraus folgt nicht automatisch, dass eine einzelne negative Assoziation einen Umsatzrückgang verursacht hat. Ein indirekter Test entschlüsselt auch keine geheime Kaufabsicht einer Person. Netzwerkbilder zeigen keine neuronalen Verbindungen und eine häufiger genannte Assoziation garantiert keinen Marktanteilsgewinn. Kausale Aussagen erfordern entsprechende Studien und geeignete Verhaltensdaten. [S09]
Dokumentieren Sie Stichprobe, Stimuli, Definitionen, Codierentscheidungen, Ausnahmen und Unsicherheit. Markieren Sie Interpretationen, die vorerst Hypothesen sind. Gute Forschung soll Unsicherheit nicht verstecken, sondern Entscheidungen besser begründen.
Vier Fehler, die die Lücke vergrößern können.
Die gewünschte Antwort vorgeben. Wer Markenwerte als Antwortliste zeigt und anschließend behauptet, sie seien spontan präsent, verwechselt gestützte Bewertung mit ungestütztem Image.
Unterschiedliche Bedeutungen zusammenlegen. Teuer, hochwertig und überteuert sind verwandt, aber nicht identisch. Die Codierung muss überprüfbar und bei Zweifelsfällen begründet sein.
Den Durchschnitt mit einer Entscheidung verwechseln. Positive Gesamtwerte können verdecken, dass eine wichtige Teilgruppe genau beim Kauf Zweifel entwickelt. Kontext und Unsicherheit gehören in die Analyse.
Gute Texte mit guter Leistung gleichsetzen. Überzeugende Markenkommunikation kann neben schlechter Lieferung oder umständlichem Service existieren. Zuerst das tatsächliche Problem lösen, dann neue Versprechen formulieren. [S02] [S03] [S06]
Fazit - nicht fragen, ob das Versprechen gut klingt, sondern ob Kunden es erleben.
Die Markenidentität gibt die Richtung vor. Das Markenimage zeigt, welche Bedeutungen Menschen tatsächlich mit der Marke verbinden. Assoziationsforschung wird besonders dann wertvoll, wenn sie den Unterschied genau beschreibt: fehlende Bedeutungen, unerwartete Bewertungen, unglaubwürdige Aussagen, austauschbare Eigenschaften und kontextabhängige Interpretationen.
Die entscheidende Frage lautet nicht 'Gefällt den Menschen unsere Positionierung?' Sondern 'Welche Bedeutung fällt der richtigen Zielgruppe im relevanten Entscheidungsmoment ein, welcher Beleg stützt sie und was müssen wir tatsächlich verändern?'
Hier liegt der Unterschied zwischen einer schöneren Geschichte und einer stärkeren Marke. Manchmal muss das Unternehmen echte Stärken besser sichtbar machen. Manchmal müssen Produkt und Erlebnis verbessert werden. Und manchmal muss es anerkennen, dass die angestrebte Identität noch nicht der Realität entspricht, die Kunden erleben.
Mehr zu Assoziationen und zu Knoten in Assoziationsnetzwerken.
Begriffe
- Markenidentität
- Die intern gewählte und angestrebte Markenbedeutung, die durch Positionierung, Verhalten und Nachweise eingelöst werden soll.
- Markenimage
- Die Assoziationen und Bewertungen, die eine definierte Zielgruppe tatsächlich mit einer Marke verbindet.
- Identitäts-Image-Lücke
- Ein nachweisbarer Unterschied zwischen beabsichtigten Markenassoziationen und bei der Zielgruppe erhobenen Assoziationen.
- Freie Markenassoziation
- Eine Bedeutung, die ohne vorgegebene Antwortoptionen durch den Markennamen ausgelöst wird.
- Gestützte Markenassoziation
- Eine Marken-Attribut-Beziehung, die nach ausdrücklicher Vorgabe des Attributs beurteilt wird.
- Assoziative Differenzierung
- Eine relevante, positiv bewertete und vergleichsweise unverwechselbare Bedeutung in einer konkreten Entscheidungssituation.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Markenidentität und Markenimage?
Markenidentität beschreibt, wofür ein Unternehmen stehen möchte. Markenimage zeigt, welche Assoziationen eine definierte Zielgruppe tatsächlich hat. Gewünschte Werte sind nicht automatisch vorhandene Kundenwahrnehmungen. [S01] [S02]
Wie lässt sich eine Identitäts-Image-Lücke erkennen?
Zuerst die beabsichtigten Markenassoziationen definieren und anschließend spontane sowie gestützte Außenassoziationen untersuchen. Fehlende, gegensätzliche, anders interpretierte oder wenig glaubwürdige Bedeutungen getrennt betrachten.
Reicht eine Kundenzufriedenheitsbefragung aus?
Nicht allein. Zufriedenheit ist eine Bewertung, sagt aber wenig darüber aus, welche Begriffe spontan verfügbar sind, wie sie zusammenhängen oder ob Wettbewerber dieselben Assoziationen auslösen. [S01] [S04]
Was tun, wenn Kunden denselben Begriff anders verstehen?
Nach Erfahrungen und Beispielen fragen und den ursprünglichen Wortlaut dokumentieren. Persönlich kann fürsorglich oder aufdringlich bedeuten. Die Übereinstimmung des Wortes ist keine Garantie für gleiche Bedeutung.
Bedeutet eine Image-Lücke automatisch mehr Werbung?
Nein. Beruht die negative Assoziation auf einer realen Schwäche, muss die Leistung verbessert werden. Bessere Kommunikation ist eher sinnvoll, wenn die gewünschte Eigenschaft bereits vorhanden, aber wenig bekannt ist. [S02] [S03]
Sind implizite Assoziationstests immer genauer?
Nein. Sie können zusätzliche Hinweise liefern, messen aber aufgabenabhängige und häufig relative Muster. Die Ergebnisse erlauben nicht automatisch Aussagen über geheime Kaufabsichten einzelner Menschen. [S09]
Warum sind Wettbewerber im Assoziationsvergleich wichtig?
Positive Eigenschaften wie Zuverlässigkeit können der erwartete Standard für alle seriösen Anbieter sein. Erst ein geeigneter Vergleich macht deutlich, ob die Assoziation einzigartig und bei einer Wahl relevant ist. [S01]
Beweist die Assoziationslücke, warum Menschen nicht kaufen?
Nein. Sie liefert mögliche Erklärungen. Preis, Verfügbarkeit, Wechselaufwand und andere Faktoren können ebenso entscheidend sein. Für Kausalbehauptungen ist ein passender Untersuchungsaufbau nötig. [S08] [S09]
Quellen
- 1.[S01] Keller, K. L. (1993). Conceptualizing, measuring, and managing customer-based brand equity - Journal of Marketing, 57(1), 1-22 (1993)
- 2.[S02] de Chernatony, L. (1999). Brand management through narrowing the gap between brand identity and brand reputation - Journal of Marketing Management, 15(1-3), 157-179 (1999)
- 3.[S03] Harris, F., & de Chernatony, L. (2001). Corporate branding and corporate brand performance - European Journal of Marketing, 35(3/4), 441-456 (2001)
- 4.[S04] John, D. R., Loken, B., Kim, K., & Monga, A. B. (2006). Brand concept maps: A methodology for identifying brand association networks - Journal of Marketing Research, 43(4), 549-563 (2006)
- 5.[S05] Krishnan, H. S. (1996). Characteristics of memory associations: A consumer-based brand equity perspective - International Journal of Research in Marketing, 13(4), 389-405 (1996)
- 6.[S06] Ross, J., & Harradine, R. (2011). Fashion value brands: The relationship between identity and image - Journal of Fashion Marketing and Management, 15(3), 306-325 (2011)
- 7.[S07] Romaniuk, J., & Sharp, B. (2004). Conceptualizing and measuring brand salience - Marketing Theory, 4(4), 327-342 (2004)
- 8.[S08] Nedungadi, P. (1990). Recall and consumer consideration sets: Influencing choice without altering brand evaluations - Journal of Consumer Research, 17(3), 263-276 (1990)
- 9.[S09] Fazio, R. H., & Olson, M. A. (2003). Implicit measures in social cognition research: Their meaning and use - Annual Review of Psychology, 54, 297-327 (2003)
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Geprüft von: Martijn den Otter · Zuletzt geprüft: 4.11.2026
Martijn den Otter
Oprichter van Neurofactor. Expert in neuromarketing en consumentenpsychologie.
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